Untitled  2013

Acrylic on Linnen  54 x 54 cm

Untitled  2013

Acrylic on Linnen  46 x 61 cm

Untitled  2013

Acrylic on Linnen 42 x 33 cm

Ohne Titel  2012

Acryl auf Leinwand  30 x 24 cm

Ohne Titel  2011

Acryl auf Leinwand  30 x 40 cm

Ohne Titel  2011

Acryl auf Leinwand  30 x 40 cm

up down

Rahel Knöll

 

In the exhibition quattro donne the season opening of Basel galleries Rahel Knöll shows her newest paintings. Sat September 7th till Sat Oktober 5th 2013

 

Rahel Knöll shows her latest and earlier works in the exhibition pas de deux from Wed May 16th till Sat June 23rd 2012

 

Rahel Knöll born in Basel, lives and works in Basel und Bettona Italy.

Ausbildung in Zürich zur Bewegungs- und Tanzpädagogin nach Rudolf Laban
Anschliessend langjährige Lehrtätigkeit in Basel und in Italien
Since 1984 work with photography and painting
 

 

Malerei  . Knöll arbeitet sehr langsam, das hat verschiedene Gründe und alle diese sind für das Resultat bedeutsam.
Langsamkeit ist kein Defekt, sie ist eine Qualität: nicht nur das Gegenteil von Effizienz, sie ist verhinderte Eile, sie ermöglicht erst ein stetes Abwägen, und garantiert eine erweiterte Kontrolle über das entstehende Produkt. Bis das Teil fertig ist. Und das Teil ist dann fertig, wenn alles Unnötige herausgefiltert worden ist. Da fällt einiges raus: die Anekdoten, die Spontaneität, die malerische Geste, der Materialfetischismus, die Täuschungsabsicht, die ganze romantische Malereitradition.
Was bleibt ist ein meist kleines Bild. Auf diesem findet etwas statt, was sehr schwierig in Worte zu fassen ist und das ist gut so, denn sonst könnte sie ja schreiben. Was bleibt ist also erstmal ein Manko: keine Geschichte, keine Illustration, keine Deskription. Wer Kino sucht ist hier fehl am Platz, denn diese Bilder stellen sich quer zur Zeitachse, sie sind ständige Gegenwart, sie verweisen auf sich selbst.
Das beginnt schon damit, dass der Grund meist bleibt wie er ist, weiss nämlich. Weiss ist immateriell, weiss hat sowas wie eine absolute Qualität. Damit die ganze Angelegenheit nicht zu schnell ins Sprituelle abrutscht, ist auf das weiss gemalt worden. Eine andere Formulierung trifft es vielleicht besser: die Setzung von zeichenhaften Strukturen. Und das bewusste Vermeiden von handschriftlicher Qualität, welche neben dem Wiedererkennungseffekt ja häufig Beliebîgkeit mit sich führt.
Man könnte die Bilder auch als Schautafeln verstehen, sie zeigen ausgeschnittene, nichtverbale, farbige messages und sind eine Einladung an die mündigen BetrachterInnen mit ihnen zu spielen. Spielen wird meist verwechselt mit zweckfreiem Tun, anzusiedeln in der Zeit wo Lebewesen noch nicht sozialisiert sind, dies ist aber ein gelinder Irrtum: Spieltheorie ist eine Wissenschaft, die nicht kooperative Spieltheorie ein Teil derselben, wobei nicht kooperativ meint, dass sich die Spieler auf verschiedenen Informationsebenen befinden. Nun: in der Kunst von Rahel Knöll geht es nicht um Sieger und Verlierer, sie würde diese Polarisierung keinesfalls gutheissen, nein es geht nicht einmal um Spielen im landläufigen Sinne, wo es dazu mehrere Mitspieler braucht. Es ist noch komplexer: ihre Kunst, ihre Malerei, ihre Bilder liefern quasi das Regelwerk und dies hat sie ja schon gesetzt. Der Spieler, die Spielerin, die Betrachter können sich nun soweit sie mögen einlassen auf  die spannende Frage, was ist das denn für ein Spiel und noch wichtiger, was habe ich davon wenn ich mich darauf einlasse und vielleicht noch, wieviel will ich investieren um daraus einen geistigen Mehrwert zu erzeugen. (Eine wichtige Technik beim Finden von Gleichgewichten in der Spieltheorie ist das Betrachten von Fixpunkten). Ein anderes Phänomen zum Gleichgewicht ist dass je mehr Information auf Seiten des Betrachters vorhanden ist, desto mehr Nutzen und Spass zieht derselbe aus der Auseinandersetzung mit.
Das Format der Arbeiten ist nicht gerade raumsprengend, die Arbeiten sind meistens kleinformatig, das ist ja auch eine zusätzliche Aussage: die Dinger sind leichter bewegbar, sie sind mobil, das hat auch ganz praktische Aspekte, Lagerhaltung etc. aber nicht nur. Denn es steckt auch ein gerütteltes Mass an Selbstvertrauen oder an Vertrauen an die Strahlkraft der Arbeit, welche als kleines Teil im grössten Raum funktionieren soll, das hat auch etwas mit eingeforderter Konzentration zu tun, das Bild, die Form eigenmächtig grössenmässig anpassen, skalieren zu können, das überspringt die physikalischen basics der Schwerkraft, der Trägheit etc.:
Sie arbeiten selbst anhand einer analogen Anlage durchaus virtuell, Sie zoomen rein und raus nach Belieben, das kann richtig Spass machen, alles ausgehend von mal 20 auf 30 cm bearbeiteter, bemalter Leinwand.
Wenn Sie sich ein Fahrrad kaufen oder einen Fernseher sind die Gebrauchsmöglichkeiten mehr oder weniger scharf umrissen, das Fahrrad bringt sie schneller als zu Fusse von a nach b, in den Fernseher können Sie reingucken z.B., bei Kunst, bei der Malerei, bei den Arbeiten von Rahel Knöll liegt das nicht so einfach: denn sie sagt ihnen nicht was sie mit dem Teil anfangen sollen, ob sie es als Meditationstafel oder als Spiegel oder als Schaltordnung benutzen sollen, das liegt ganz bei Ihnen, denn die Künstlerin verweigert da jegliche Auskunft, auch das eine Haltung, welche vom Vertrauen in die geschaffene Ordnung rührt, welche quasi eine selffullfilling prophecy sein soll. Leicht wird diese Haltung mit Arroganz verwechselt, ein Irrtum, denn ganz im Gegenteil kommt sie aus einer- durchaus selbstbewussten- Bescheidenheit: Rahel Knöll ist sich bewusst, was alles im Namen einer umfassenden Kunsttheorie auch schon passiert ist und was dabei auch alles nicht ganz funktioniert hat, der Begriff des Gesamtkunstwerkes z.B. mit seinem endgültigen Scheitern im 2. Weltkrieg; die Formatfrage seit den fünfziger Jahren, die grossen Amerikaner gegen die kleinen Europäer, oder das Ringen um das grösste Bild in einer Nacht gemalt von Martin Disler, die Superlative, die Rekorde, die titanischen Leistungen rauschhaften, genialischen Tuns. All das interessiert sie nicht, sie selbst würde ganz gerne ausprobieren, wie es denn wäre, eine kleine Arbeit von ihr z.B. neben oder gegenüber des toten Christus von Holbein zu setzen, was pasiert da, was geht da ab? Oder ein anderes kleines Bild an die Stirnwand des Oberlichtsaals in der Kunsthalle hängen und sonst nichts, das wäre zugegebenerweise eine Zerreissprobe, aber spannend.
Das sind die echten Herausforderungen.

Matthias Aeberli, Dezember 2011