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Aldo Bonato . Peti Brunner . Max Grauli

heimspiel . Ausstellung Do 18. Okt - Fr 23. Nov 2007

 

Diese Gruppenausstellung zeigt drei, im wahrsten Sinne des Wortes 'hausinterne' Künstler: Aldo Bonato - Peti Brunner - Max Grauli. Unter einem Dach wohnend teilen sie miteinander Kapriolen, die das Leben schreibt. Mit ihren unverwechselbaren Kunst- und Stilrichtungen sind sie sich Inspiration auf ihrer Werkpromenade.

 

Das Eröffnungsspiel im Ausstellungsreigen bestreiten drei bekannte Künstler-

persönlichkeiten, die mit Ort und Geschichte der neuen Galerie eng verbunden sind: Aldo Bonato, Max Grauli und Peti Brunner. Alle drei sind in der Kunstszene bekannt, wurden mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Schicksalhaft haben sich ihre Lebenswege immer wieder gekreuzt, sei es in der Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, in Ateliergemeinschaften, Ausstellungs-

projekten bis hin zum gemeinsamen Wohnort an der Reichensteinerstrasse 29 – Freundschaften sind so entstanden. Die Galerie mitart wird so zum Heimspiel und zum Schaufenster eines gemeinsamen schöpferischen Lebenswegs. Vom Kunstschaffen her stilistisch verschieden, gibt es doch Berührungspunkte inhaltlicher Art, eine gemeinsame Haltung oder innere Verbundenheit, die ihre Werke in diesem Raum zusammenspielen lässt.

 

Peti Brunner (*1958) zeigt einen Zyklus von 26 kleinformatigen Farbstiftzeichnungen mit dem Titel „Von Sinnen mit P.“ Dem Blick begegnen kokonartige Formen von berauschender Farbkraft. Inneres öffnet sich nach aussen, Äusseres wird nach innen gestülpt. Eine andere Werkgruppe von grossformatigen Arbeiten wirkt geheimnisvoll und verschlüsselt. Vor einem diffusen Hintergrund tauchen assoziative Formfragmente auf und beflügeln die Fantasie des Betrachters. Körperhaftes klingt an, schwebt im ungewissen Raum. Einmal scheint eine archaische Gottheit düster herabzublicken, ein anderes Mal taucht ein behelmter Raumfahrer auf, tanzende Gestalten oder die Fatamorgana einer Geisterstadt. Peti Brunner arbeitet in Schichten mit unterschiedlichen Techniken und Materialien. Fundstücke von alten Papieren, manche bis zu 1oo Jahre alt, spielen im Arbeitsprozess eine zentrale Rolle. So können ornamentale Geschenkpapiere als Bildgrund dienen oder Abwicklungen von Verpackungskartons als verrätselte Silhouette in Erscheinung treten. Dabei knüpft die Wiederverwendung und Umdeutung von vertrauten Elementen zu Kunstobjekten an die Tradition des „Objet trouvé“ an. In den Bildern von Peti Brunner wird Geschichtetes zur Geschichte. Die Betrachtung der Bilder gleicht einer Reise in Zeit- und Raumschichten, in eine archaische Welt, in der wir Träumen und Visionen begegnen, die malerisch miteinander verwoben sind.

 

Die elementaren Gestaltungsmittel wie Form, Farbe, Licht und Raum sind zentral im Schaffen von Max Grauli (*1957). Der Künstler knüpft  mit seinen Bildern an die Neudefinition der Malerei der Jahrhundertmitte an, als Künstler wie Barnett Newman mit ihren metaphysischen Abstraktionen die Mittel der Malerei befragten. Graulis Bilder sind eigentliche Wahrnehmungsbilder. Sie fordern Sehgewohnheiten heraus und hinterfragen sie. In der Werkgruppe der „Punktbilder“ steht der polare Kontrast von Schwarz und Weiss im Zentrum. Auf dem lasierend grundierten Leinwandgeviert tauchen leere und gefüllte Kreise auf. Anzahl und Anordnung schaffen ein Spannungsverhältnis in der Fläche. Die schwarzen Kreise erzeugen ihr helles Gegenbild, ein Nachbild auf der Netzhaut, das sich als nicht real vorhandene Ebene zwischen Bild und Betrachter schiebt. So entsteht Bewegung und damit ein Bildraum, der sich nach vorne und nach hinten weiter ausdehnt: Das Bild im Raum und der Betrachter darin. Entfernt erinnern die stillen Bilder an das Funkeln kosmischer Konstellationen oder das Glitzern einer Wasseroberfläche. In seinen Bildern überschreitet Max Grauli die Dimensionen der Zweidimensionalität und entgrenzt das Bild. Die Bilder verselbständigen sich, verlassen sozusagen die Wand und treten in den Raum ein, lassen Betrachtung zu einem Grenzgang zwischen Greifbarem und Flüchtigem werden.

 

Aldo Bonato’s (*1954) Bilderkosmos ist mit skurrilen Darstellern bevölkert. Über Jahre hinweg hat der Künstler mit dieser absonderlichen Familie eine Art zeichnerischen Dialog geführt. Die Ausdrucksskala der Zeichnungen ist vielfältig. In den kuriosen Figuren verschmelzen die unterschiedlichsten Bereiche von Kultur- und Kunstgeschichte: mittelalterliche Fratzen und heraldische Symbole blicken aus den Bildern entgegen, urgeschichtliche Skelette werden zum Leben erweckt, Märchenhaftes und Comic-Helden finden zu einer neu geschaffenen Synthese zusammen, die von Ausdruck und Inhalt her untrennbar mit der Person von Aldo Bonato verbunden bleibt – gewisse Figuren können eine Ähnlichkeit mit ihrem Schöpfer nicht verbergen. Zentral in dieser Bildwelt sind Verwandlung und Metamorphose. Die kleinen Gestalten sind aber nur scheinbar wirklichkeitsfern. Haltung und Tun erinnern durchaus an menschliches Handeln und machen einen Doppelsinn der Inszenierung deutlich. Wir begegnen Situationen, die poetisch verfremdet, allzu Menschliches erkennen lassen. Alle Darstellungen sind mit hintergründigem Humor ausgestattet. Die Zeichnungen von Aldo Bonato öffnen den Blick für eine schwebende Welt voller Poesie und Humor, in der sich Spielerisches und Philosophisches die Waage halten. Bilder tauchen auf wie Gedankenfragmente oder Purzelbäume der Fantasie. Sie wecken Kindheitsträume, berühren Archaisches und können dem Betrachter mit Witz ein Lächeln entlocken. Es sind materialisierte Tagträume - bildliche Zeugen eines inneren Erlebens.

©Iris Kretzschmar