composing lines . Ausstellung Do 26. Aug - Sa 25. Sept 2010

 

MATTHIAS AEBERLI . Was sagt der Stuhl zum Rot, zum Schwarz und zum Braun, und was hat der weisse Papierträger, der Hintergrund also, mit all dem zu schaffen? Vielleicht reden Alle durcheinander, schreien sich an, wollen oder können sich nicht verstehen, wer weiss.
Im besten Falle sind in der Kunst, im einzelnen Kunststück, im Werk also, die Hierarchien, welche sonst unsere Gesellschaft und damit unser Dasein bestimmen, aufgehoben, das heisst, alles wird gleich wichtig, Vordergrund und Hintergrund müssen nicht mehr streiten, Blau ist nicht besser als Rot, ausschlaggebend ist das Ganze, binär, 0 oder 1. (...)

Matthias Aeberli 2010

 

FELIX BAUDENBACHER . (…) Was in diesen kleinformatigen Arbeiten zum Ausdruck kommt, ist eine natürliche Skepsis gegenüber der grossen Aussage. Ich glaube an den stillen Moment, nicht die grosse Emotion, beziehungsweise für mich ist die wirklich grosse, dem herkömmlichen Auf und Ab der Welt übergeordnete Emotion nur in der Stille erfahrbar. Das ist auch Lebenshaltung - Malerei ist für mich eine konstante Auseinandersetzung mit der eigenen Psychologie, täglicher Versuch der Überwindung des eigenen Egos. Es gibt nichts Einsameres und Ehrlicheres als die Arbeit vor der Leinwand - da gibt's kein Ausweichen, keine Rechtfertigungen irgendwelcher Art. Malen nach der Postmoderne heisst, man kann sich an nichts festhalten. Was macht man, und vor allem mit welcher inneren Haltung, wenn es überhaupt keine Vorgaben gibt? (…)

Felix Baudenbacher 2010


ALEXANDER KRAUSE . Doppelsinnige Worte, die polemisch oder proklamierend klingen können. Trotz der schnörkellosen Schrift und nüchternen Deutlichkeit suggerieren die Texte eine poetische bisweilen zarte, melancholische Stimmung. Am Ort ihrer Präsentation entwickeln die Arbeiten ein mehrstimmiges Beziehungsgeflecht. Das Verhältnis zum konkreten Ort, seinen sozialen und kommunikativen Funktionen, entscheidet. Es ergeben sich narrative Bezüge, frei assoziierbare Geschichten, die häufig um Körperlichkeit kreisen, von Moral, von Begierden, Ängsten und Träumen des Menschen handeln. Emotionen so unberechenbar wie Worte, die nicht nur einem etymologischen Prozess unterworfen sind, sondern sich im Moment ihrer Aussprache bereits verformen können und selten so verstanden werden wie wir se wirklich gemeint haben.

Dr. Jessica Beebone

 

LYDIA WILHELM . (...) Die Auseinandersetzung mit Stadt- und Landschafts-formationen ist im Schaffen der Künstlerin allgegenwärtig. Bei ihrer Fotoserie Rotten Moments (seit 2007) zersetzen natürliche Kräfte die Negative und löschen die abgebildete Landschaft allmählich aus. Es entstehen Kartografien aus sich immer weiter ausbreitenden weissen Flecken, die der klassischen Eliminierung von Leerstellen durch den Landvermesser diametral entgegenlaufen. In den Koordinatenzeichnungen geht Wilhelm hingegen von einem präzis bestimmbaren, mit Google Earth eruierten Ort aus und interpretiert diese Aufsichten in kleinformatigen Zeichnungen, die in eigenartiger Schwebe zwischen Wiedererkennen und Unlesbarkeit bleiben. (...)

Katharina Ammann, Konservatorin Bündner Kunstmuseum Chur

 

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